Was macht (d)ein Leben lebenswert? 

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Diese Frage begegnet mir immer wieder – in meinem Beruf als Seelsorgerin und in den Lebensgeschichten von Menschen.

Besonders dann, wenn Eltern ein Kind mit einer Behinderung erwarten oder willkommen heißen, höre ich manchmal: „Warum tun sie sich das an?“ Diese Frage schmerzt mich. Denn sie stellt nicht nur eine Entscheidung infrage, sondern den Wert eines Lebens. Und ich frage mich:

Woran messen wir eigentlich, ob ein Leben lebenswert ist?

Ich habe Menschen kennengelernt, die scheinbar alles haben – Gesundheit, Erfolg, Sicherheit – und dennoch empfinden sie ihr Leben als leer. Manche verlieren sogar den Mut weiterzugehen.

Gleichzeitig habe ich Menschen erlebt, die mit Krankheit, Verlust oder Einschränkungen leben und trotzdem eine Wärme und Zufriedenheit ausstrahlen, die man kaum beschreiben kann.

Was ist der Unterschied? Was fehlt bei den einen und was ist bei den anderen da?

Eines Abends, auf dem Weg zur Nachtschicht, stürzte ich mit meinem E-Trotti. Es war kalt, ich war erschöpft und innerlich getroffen. Eigentlich wollte ich nur nach Hause. Doch ich ging arbeiten. Als ich später einer Bewohnerin half, ins Bett zu gehen, strich sie mir über den Arm und lächelte mich an. Ohne Worte – und doch voller Liebe. Sie spürte meine Traurigkeit und antwortete darauf mit Nähe. In diesem Moment wurde mir etwas klar: 

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Korinther 13,13)

Liebe ist mehr als ein Gefühl.

Sie ist eine Kraft, die unserem Leben Sinn gibt. Sie verbindet uns mit anderen Menschen und trägt uns durch schwere Zeiten. Ohne Liebe verlieren selbst Glaube und Hoffnung an Tiefe.

Liebe hingegen macht alles lebendig. Sie zeigt sich oft nicht im Großen, sondern im Kleinen: in einem Lächeln, einer Berührung, einem Menschen, der bleibt. Liebe ist da, wenn Eltern für ihr Kind kämpfen, wenn jemand zuhört, wenn Hilfe einfach geschieht. Sie ist nicht perfekt, aber sie ist echt.

Ich glaube: Das Gegenteil von einem lebenswerten Leben ist nicht Leid, sondern das Gefühl von Sinnlosigkeit.

Nicht jedes Leben ist leicht. Aber kein Leben ist sinnlos. Auch wenn wir den Sinn nicht immer erkennen, zeigt er sich oft in Momenten der Liebe.

Für manche ist es die Natur, für andere ein Gespräch, ein Gebet oder die Hand eines Menschen, die nicht loslässt. Am Ende läuft alles auf dasselbe hinaus: Liebe verbindet.

Das Leben wird lebenswert, wenn unser Herz etwas hat, wofür es schlägt. Wenn wir lieben und geliebt werden. Diese Liebe trägt uns durch schwere Zeiten und gibt uns die Kraft, weiterzugehen – trotz Krankheit, trotz Verlust, trotz Schmerz.

Liebe ist nicht perfekt. Aber sie ist echt. Und genau das macht das Leben lebenswert.

Segensgebet für dich

Gott, segne mein Herz mit deiner tiefen, tragenden Liebe.
Dort, wo ich mich frage, ob mein Leben genug ist,
sprich du mir zu: Du bist gewollt. Du bist geliebt.

Dort, wo ich Schmerz trage,
sei du mein Trost.
Dort, wo ich mich verloren fühle,
sei du mein Halt.

Lass mich spüren,
dass mein Leben Sinn hat –
auch dann, wenn ich ihn nicht sehe.
Auch dann, wenn vieles unvollkommen bleibt.

Öffne meine Augen für die leisen Zeichen deiner Liebe:
für Begegnungen, die gut tun,
für Momente, die mein Herz berühren,
für Menschen, die mich tragen.

Schenke mir die Kraft, weiterzugehen,
auch durch schwere Zeiten.
Und die Zuversicht,
dass Liebe stärker ist als alles, was mich belastet.

Segne meinen Weg,
mit Hoffnung, mit Frieden
und mit einer Liebe, die bleibt.

Heute. Und an jedem neuen Tag. Amen.

Ich wünsche dir, liebe:r Leser:in, ein wundervolles Leben voller Liebe und Wert! Gottes Segen begleite dich dabei, deinen Lebenswert zu finden und zu lesen.

Alles Liebe,
Simone 


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