„Was kannst du als Frau in der katholischen Kirche überhaupt machen?“ Meine Antworten auf die häufigsten Fragen zu meinem Beruf Seelsorgerin. 

Liebe:r Leser:in, mit diesem Blogartikel nehme ich dich mit in meine Arbeitswelt, die für viele überraschend erscheint. Ich arbeite als Frau in der katholischen Kirche. Auf die Fragen, die mir häufig gestellt werden, möchte ich hier eingehen. 

„Du bist Seelsorgerin? Darf ich dir ein paar Fragen stellen?“ 

Ja, Fragen sind erlaubt. Ich wünsche mir aber, dass mein Gegenüber offen ist für das, was ich erzähle und erlebe. Vorurteile dürfen gerne beiseitegelegt werden.

„Was kannst du als Frau in der katholischen Kirche überhaupt machen?“ 

Die katholische Kirche in der Schweiz bietet Frauen mehr Möglichkeiten, als viele denken. Auch wenn bestimmte Ämter, wie das Priesteramt, derzeit Männern vorbehalten sind. In meiner einen Arbeitstelle in der Pfarrei habe ich unter anderem Gottesdienste vorbereitet und eigenständig gefeiert, Beerdigungen gehalten, die Seelsorge in einem Altenheim übernommen, Religionsunterricht im Teamteaching gegeben und an verschiedenen Anlässen der Pfarrei aktiv mitgewirkt. Seit letztem Jahr habe ich meinen Berufswunsch erfüllen  können und arbeite nun als Spitalseelsorgerin. Das bedeutet, dass ich Menschen in einer Gesundheitsinstitution begleite. Durch Gespräche, Besuche, Spaziergänge, Rituale oder einfach das, was in dem Moment gebraucht wird.

„Ist es nicht schwer, Beerdigungen zu halten?“ 

Beerdigungen gehören für mich zu den schönsten Aufgaben meines Berufes. Abschiedsfeiern sind so verschieden, wie die Menschen, von denen wir Abschied nehmen. Ich empfinde es als Ehre, darf ich solche Feiern gestalten, zusammen mit den Mitfeiernden nochmals an das Leben der:des Verstorbene zu denken und so den Angehörigen einen bewussten Abschied ermöglichen. Nach solchen Feiern empfinde ich oft eine tiefe Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens und die Möglichkeit, Menschen in ihrer Trauer zu begleiten.

„Wie gehst du mit der Belastung um?“ 

Die Arbeit als Seelsorgerin ist zweifellos herausfordernd und ja, manchmal auch sehr belastend. Um im Gleichgewicht zu bleiben, sind Pausen, persönliches Gebet und der Austausch mit Kolleg:innen essenziell. Auch privat achte ich darauf, auf mich selbst zu hören: Sport, gesunde Ernährung und Zeit mit Familie und Freunden helfen mir, Kraft zu tanken. Und natürlich gehört es für mich auch dazu, das Leben immer mal wieder in vollen Zügen zu geniessen.

„Kennst du die Bibel auswendig?“ 

Diese Frage bringt mich oft zum Schmunzeln. Die Bibel ist ein beeindruckendes Werk mit über 1.700 Seiten (je nach Übersetzung). Natürlich kenne ich sie nicht auswendig! Aber durch mein Theologiestudium und meine persönliche Auseinandersetzung mit den Texten habe ich viele Passagen intensiv kennengelernt.

„Warum tust du dir das an, als Frau in einer Männerdomäne?“ 

Es ist nicht immer leicht, das gebe ich zu. Dieselbe Ausbildung zu haben wie ein Mann, aber nicht dieselben beruflichen Möglichkeiten, das empfinde ich als Ungerechtigkeit. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, wie viele Chancen mir in der Schweizer Kirchenlandschaft offenstehen, die Frauen in anderen Ländern verwehrt bleiben. Es war schon lange mein Wunsch, Seelsorgerin zu werden, und ich bin dankbar, dass ich meine Traumberuf nun leben darf. 

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